Bio und Wissenwertes zum Ausnahmesportler Lukas Weißhaidinger

In der Weltklasse angekommen

Sein Name: Lukas Weißhaidinger
Beruf: Diskuswerfer
Alter: 27 Jahre
Größe: 1,97 m
Gewicht: 147 kg
(Hochgestecktes) Ziel: eine WM- und Olympia-Medaille


Selbsteinschätzung: „Ich bin kein Talent mehr, sondern endgültig in der Weltklasse angekommen“, sagt der Oberösterreicher. Ein Vorzeige-Athlet mit Gardemaßen. Ehrgeizig und zielstrebig. „Spätestens seit Rio weiß ich, dass ich mit den Besten mithalten kann.“

„Luki ist nicht umsonst die Nummer 4 der Welt-Jahresbestenliste. Seine Bestmarke liegt über jener des Rio-Olympiasiegers. Er hat definitiv das Zeug für eine Olympia-Medaille 2020 in Tokio“, sagt Coach Gregor Högler.

Gleich nach dem 6. Platz in Rio 2016 hat das Erfolgs-Duo ein neues Trainingsgerät entwickelt. 600 Kilogramm schwer, aus Edelstahl. Maßgeschneidert für den ÖLV-Rekordhalter. KTG heißt es, Kraft-Trainings-Gerät. Klingt unspektakulär, aber es wirkt… Mit der Maschine kann Weißhaidinger eigentlich nichts falsch machen. Die Bewegung ist vorgezeichnet, der Winkel exakt vorgegeben. Und das Wichtigste: Man muss nicht erst den Diskus nach dem Wurf wieder einsammeln. Alles geht sehr schnell. In nicht einmal 2 Minuten hat Lukas 10 Würfe simuliert. Der Stahl-Schlitten, der dem Diskus nachempfunden ist, schlägt krachend am Ventil auf, wird langsam zurückgestoßen. Der Athlet behält die Hand am Schlitten… Vor und zurück. Wurf um Wurf.

Fernziel: ein 70-m-Wurf

Wenn Lukas Weißhaidinger Freitagnachmittag von Wien ins heimatliche Innviertel heimkehrt, dann führt sein Weg an der LA-Anlage des Turnvereins Taufkirchen vorbei. Ein Sportplatz, der für eine Marktgemeinde mit knapp 3.000 Einwohnern fast überdimensioniert wirkt. Ein idealer Platz für Kinder und Jugendliche, mit der Leichtathletik erste Bekanntschaft zu schließen. Aber längst zu klein für einen, der von 70-Meter-Würfen träumt. Zum ÖTB Taufkirchen kam Lukas mit neun Jahren und wurde behutsam in die Kraft-Disziplinen der Leichtathletik eingeführt. „Dass ich kein 1.500-m-Läufer werden würde, war allen schnell klar.“


Zum Schlüsselerlebnis wurde der erste Wettkampf in Schärding, im zarten Alter von 13 Jahren. Klein-Luki, der im Verhältnis zu seinen Klassenkameraden bereits ziemlich groß und kräftig war, warf die Kugel auf 12 Meter und holte sich damit nicht nur den ersten Pokal seiner Karriere, sondern im Vorbeigehen auch den OÖ-Landesrekord. „Gewinnen hat mir auf Anhieb gefallen. Wie bei den meisten Kindern, die Erfolgserlebnisse verbuchen können, bin ich dabei geblieben“, erinnert sich Lukas.  In jenen Sommertagen bekam er dann auch zum ersten Mal den Diskus in die Hand gedrückt.


Von 70 Metern war damals (noch) keine Rede. Aber genauso wie Monat für Monat die Weiten zunahmen, wurden auch die Anlässe zusehends größer. Mit 17 machte der Name Weißhaidinger erstmals international die Runde, als er im finnischen Tampere 2 x Gold bei den Europäischen Jugendspielen gewann (Kugelstoßen, Diskuswerfen). 2011 folgte in Tallinn (Rus) der U-20-Titel mit dem Diskus. Damals träumte er von Erfolgen in der allgemeinen Klasse, durfte sich vereinzelt schon mit Weltklasse-Athleten messen. „Jetzt zähle ich selbst zur Weltelite, spätestens seit dem 6. Platz bei den Olympischen Spielen in Rio. Jetzt weiß ich, dass ich mit den Besten mithalten kann.“ Obwohl der 25-jährige Oberösterreicher nach einem Mittelfußknochenbruch im Vorfeld wochenlang nur sehr eingeschränkt trainieren konnte. „Dafür bin ich dann so richtig explodiert!“ Während seine Gegner nach Rio erschöpft und ausgelaugt wirkten, zeigte sich der wiedergenesene „Lucky Luki“ zum Saisonfinale von seiner besten Seite, belegte in der Diamond League in Brüssel Rang drei, gewann anschließend sogar das prestigeträchtige ISTAF-Meeting in Berlin. „Gegen alle Kaliber!“

In Berlin klappte es dann auch 2018 bei der EM. Der 26-Jährige holte Bronze - die erste ÖLV-Männer-Medaille seit 1990 (Hermann Fehringer, Stabhochsprung). "Mit einer Medaille wirft es sich bekanntlich besser", sagt Coach Gregor Högler. „Jeden Tag noch besser werden, möglichst viele WM- und Olympia-Medaillen holen und möglichst lange in der Weltklasse mitwerfen, am besten noch mit 35“, meint Lukas Weißhaidinger und lächelt.

 

Quotes | Lukas Weißhaidinger über …

… ruhige Momente: „Ich bin gerne zu Hause in Oberösterreich – und ich bin gerne in der Natur, zum Beispiel beim Fischen. Mir taugt es, wenn sich nicht alles um mich dreht. Der Wettkampf-Stress holt mich ohnehin schnell wieder ein…“


…seinen Leitspruch: „Ich will immer besser sein als gestern… Stillstand ist Rückschritt!“


… Motivation: „In unserem Trainingsraum im BSFZ Südstadt, wo das KTG, das spezielle Krafttrainingsgerät steht, hat Gregor (Högler) geschrieben:  + 70. Das ist mein sportlicher Traum: Einmal die 70-m-Meter-Marke übertreffen. Und am besten dann, wenn es am meisten zählt. Bei Olympia 2020 in Tokio oder bei einer WM.“


…  das Spezielle am Diskuswerfen: „Größe alleine ist zu wenig. Und auch die Kraft hilft nur, wenn sie richtig eingesetzt wird. Du musst als Diskuswerfer extrem schnell sein, dazu möglichst beweglich. Die Wurfbewegung an sich ist ziemlich komplex, vielleicht am ehesten mit einem Golfschwung zu vergleichen. Man versucht den perfekten Wurf, aber ob er wirklich gelingt? Besser geht’s vermutlich immer noch… Jeder Wettkampf ist für mich eine neue Herausforderung. Du beginnst wieder bei null. Das macht für mich den großen Reiz aus.“


… Nervenstärke: „Die Kunst ist, die gesamte Energie in den Wettkampf zu legen und im Vorfeld ja keine Kraft zu vergeuden: Ich hab‘ über die Jahre immer besser gelernt, am Tag X zu funktionieren. Ich mag’s, wenn die Nervosität einschießt. Ich kann mit Druck gut umgehen – mir taugt das!“


… seine neue sportliche Heimat: „Das BSFZ Südstadt bietet für mich das optimale Trainingsumfeld, vom Kraftraum, über die LA-Halle bis hin zum Wurffeld im Freien. Dazu gibt’s sportgerechtes Essen, einen Physio, der mir täglich zur Verfügung steht und Coach Gregor Högler. Ich könnte es mir nicht besser wünschen… Mir ist in den letzten Monaten klar geworden, dass ich nur mit einem entsprechenden Umfeld auf längere Sicht in der Weltklasse mitmischen kann. Im Klartext: Wenn ich jetzt nicht darauf schaue, möglichst verletzungsfrei zu bleiben, mich jederzeit bestmöglich zu regenerieren, dann werden bald die ersten Wehwehchen und Verletzungen kommen. Deshalb machen wir ständig Vorsorge-Untersuchungen, versuchen mit präventiven Übungen Verletzungen bestmöglich zu vermeiden. Wenn’s nach mir geht, möchte ich auch noch in 10 Jahren zu den Besten zählen.“


… berufliche Freundschaften: „Weltmeister Piotr Malachowski ist unter meinen Konkurrenten mein persönlicher Favorit. Wir tauschen uns regelmäßig aus, trainieren mitunter auch auf Teneriffa gemeinsam. Piotr ist sympathisch, offen, hilfsbereit. Der 36-Jährige hat nach Rio seine Olympia-Silbermedaille zugunsten eines krebskranken Kindes in Polen versteigert – mit dem Erlös wurde eine Operation in den USA finanziert. Das sagt viel über seinen Charakter – ein starker Typ, im wahrsten Sinne des Wortes!“

 

... seine erste Medaille bei einem Großereignis: "Das EM-Bronze von Berlin ist für mich eine unglaublich wertvolle Sache und eine Art Dankeschön an alle, die mit mir in den letzten Jahren zusammengearbeitet haben. Das Besondere war, dass meine Eltern, mein Bruder. meine Freundin, mein Jugendtrainer, sogar der Bürgermeister von Taufkirchen... d.h. aus meinem engsten Umfeld an jenem 9. August 2018 wirklich alle da waren und meinen ersten Medaillenerfolg miterleben durften. Als ich zur Tribüne ging, hatten alle, wirklich alle, Tränen in den Augen! Mein Vater hat lächelnd gemeint: "So eine stressige G'schicht tu' ich mir kein zweites Mal an!"